Aus den Aufzeichnungen des Müscheder Sprachwissenschaftlers Dr. Felix Wortmann

Tonaufnahme: Paul W. Michel, Müschede
Sprecher: Dr. Werner Beckmann, Sprachwissenschaftler, Leiter des Mundartarchivs Sauerland in Cobbenrode

  Müscheder Mundart Hochdeutsch
  Vandage ruimet mi de Arbet
gar nit.
Heute geht mir die Arbeit gar nicht (von der Hand).
  rümme lentern müßig umher schlendern
  Me restet sick. Man ruht sich aus.
  Me kann sick nit riegen un wiegen. Man kann sich nit regen und bewegen.
  rängsterige Blagen wilde, ausgelassene Kinder
  in der Rünte in der Umgebung
  Ruimestiek, reppe diek! Weiter Stich, beeile dich! Das sagt man zu einer Näherin, die mit sehr weiten Stichen näht.
  Hai wuent op diär Roiher. Er wohnt auf der Röhr.
  De Roggen stäiht liut. Der Roggen steht dünn.
  füör aisk un üewel iutschännen arg ausschimpfen
  Dat ietet sick all wat wiäg. Es wird viel gegessen (wenn viele gute Esser bei Tische sitzen).
  Dat Piärd hiät iäm ennen wägget. Das Pferd hat ihm einen (Schlag) versetzt.
  Et Auwer is te richt. Das Ufer ist zu steil.
  Bo diär Fiärken viell sind, do wät et Spail dünne. Wo viele Ferkel sind, wird das Futter knapp
  Hai dait säo gehäim. Er tut so geheimnisvoll.
  Se käddert iäk (Akkusativ). Sie zanken sich.
  En Wort riutkwesten. Ein Wort mit Mühe herausbringen.
  Jömich un duene danaane näoh mol! Potztausend! (bei Verwunderung)
  Dat is en Halfgeduorskenen. Das ist ein Mensch, der nicht ganz richtig im Kopf ist.
  en duenen Gast ein kräftiger, gedrungener Kerl
  Hai is nit in guerren Heften. Er ist nicht recht gesund.
  en Gneysebeyter

ein Geinzhals, ein Knauser
  Hai hiät sonne knoosterige Iutsicht. Man sieht ihm an, dass er sich nicht ordentlich wäscht.
  düör de Gläipe keyken durch den Türspalt sehen
  De Düör stäiht op diär Gläipe. Die Tür steht halb offen.
  Hai is nit gar backen. Er ist nicht zuverlässig, nicht vertrauungswürdig.
  Hätz Gewitter! Lebhafter Ausruf bei Schmerzen oder in Gedanken an einen tollen Streich!
  Kraits Gewitter! Lebhafter Ausruf des Ärgers
  Dai Vuegel fiärt sick. Der Vogel mausert sich.
  et vansiekste Piärd das rechte Pferd (vor einem Wagen mit zwei Pferden)
  Do wor he säo falsk. Da wurde er so aufgebracht, zornig.
  in’t Omesfatt fallen scherzhaft, ohnmächtig werden
  Dat sall sick wuohl famen. Das wird schon in Ordnung kommen.
  Hai hiät Flüete imme Rüggen. Er hat Rheuma im Rücken.
  ne fläge Katte eine wohlgenährte Katze
  Guatt Dank, ick konn mi näoh liuter weyer opraspeln. Gott sei Dank, ich konnte mich noch (beim Stolpern) immer wieder aufrappeln.
  Hai is te Mote kummen. Er ist übel angekommen, in die Patsche geraten.
  Bat heäste di störig maket! Was hast du dich fein gemacht!
  Hai schlätt op mey. Er artet auf mich.
  Weähr di män met nem klainen Stocke!
Du brauchst nicht so eifrig zu leugnen, es wird schon etwas dran
sein!
  Ick reip me, hai söll dat seyn loten. Ich rief ihn, er solle das sein lassen.
  Dat daite men iut Niggemähr. Das tut er nur aus Neugier.
  Lustert mol neype! Hört mal genau zu!
  Hai keyket säo unner’n Nüeckels Hiär.
Er blickt einen an mit gesenktem Kopf und gehobenen Augen.
  Näi Kinners Luie jo! So beginnt etwa die Rede eines Menschen, der mir etwas sehrInteressantes mitzuteilen hat.
  noh seynem Schenäi nach seinem Gefallen
  Dat Deyer kann sick nit an diän Stall wienen.
Das Tier (neu erworbenes Vieh) kann sich nicht an den Stall gewöhnen.
  Vey het en Hiärwest doon. Wir haben die Ernte beendet. Sprachgeschichtlich interessant: „Hiärwest“ und seine hochdeutsche Entsprechung „Herbst“ sind mit griechisch karpos „‚Frucht“ und lateinisch carpere ‚abpflücken, „abreißen“ urverwandt. Also scheint in dieser Redewendung die alte Bedeutung des Wortes „Hiärwest“ noch durch! Diese kursiv gesetzte Erklärung ist nicht von Wortmann, sondern von Beckmann.
  dat Hai in Hiusten maken das Heu in große Haufen setzen
  dat heww ick in Verhuap darauf darf ich rechnen (z. B. hundert Euro bald zu bekommen)
  en Ungern hollen einen Nachmittagsschlaf halten
  et schmiärt sick sagt man, wenn von einem Stück Land sich nach Regen beim Pflügen dicke Klumpen Erde bilden.
  dann seyperet dann tröpfelt es
Vey sind in’n Rummesket. Wir sind am Runkelrüben hacken.
en leif Öösken ein liebes Kind, Herzblättchen  
säo´n Öösken! so ein Schelm(chen)! (bewundernd von einem kleinen Kinde, das einen
übermütigen Streich begangen hat oder das über sein Alter hinaus geistig geweckt ist)
ösig Wear schlechtes
Wetter
en ösigen Kärl ein schlechter Mensch, Betrüger
öäwerall tüsker hewwen (Er muss seine Nase) in alles hineinstecken
op dean annern Schoacken auf das andere Bein
hei is dovan awe, hei is dovan af er ist davon ganz erschöpft
Hei soh iut äh de Panne van gierseyt. Er sah aus, wie die Pfanne von (der) Rückseite. = Er sah sehr schmutzig aus.
dei Ruie bitt der Hund ist bissig
Do gaffte´t en wahn Gaffelnbäggen. Da gab es ein gewaltiges Festessen. 
Dean kann ick woall bannen.  Den kann ich wohl zwingen, mit dem werde ich wohl fertig werden (z. B. ein Junge mit einem anderen, dem er an Kraft überlegen
zu sein glaubt). 
Do sall di dann doch de Baar liusen! Da soll dich doch der Kuckuck holen!
verbeystert verwirrt (z. B. von einem Schüler, der bei den Fragen des Lehrers aufgeregt wird)
Täiwenbeyten Zehenbeißen (am Rosenmontag taten das die Burschen den Mädchen)
Dat Kind gäiht allerweagen bey. Das Kind geht an alles heran (um es anzufassen).
Wann me ne Iëckster futtschicket, kitt me´n bunten Vuëgel weyer. Wer einem Untauglichen einen Auftrag erteilt, bekommt dementsprechende
Ausführung geliefert.
Wenn de Kauh Bünte hett, is do´n Plack anne. Wenn die Kuh Bunte heißt, ist ein Flecken daran. = An jedem Gerücht ist ein wahrer Kern.