Die Geschichte bis 1850

Die historische St. Hubertus-Bruderschaft bis 1826

Die beiden ältesten Nachrichten über die Müscheder Kapelle stammen aus dem Jahre 1484. In diesem Jahre, zur Zeit des Hüstener Pastors Freseken, wurde eine monatliche Messe in Müschede gestiftet. Der Pastor erwarb damit das Recht, zwei Schweine zur Mast in die Müscheder Mark zu treiben (Höynck, Geschichte der Pfarreien des Dekanats Arnsberg, Seite 419; leider gibt der Verfasser nicht an, wo er diese Nachricht gefunden hat). Die zweite Nachricht aus dem Jahre 1484 findet sich in dem Mastregister der Müscheder Mark von 1484, in dem Sant Hupertz gut, also ein dem hl. Hubertus (das heißt: der Hubertuskapelle) gehöriger Hof, genannt wird. Die Existenz der Hubertuskapelle ist damit für das Jahr 1484 eindeutig bewiesen. Der Umstand, daß erst in diesem Jahre eine monatlich zu lesende Messe gestiftet wird, könnte ein Hinweis darauf sein, daß die Kapelle zu dieser Zeit noch nicht lange bestand.

Die ältesten Nachrichten über die Hubertusbruderschaft fallen in etwa mit denen über die Hubertuskapelle zusammen. Es gibt zur Zeit mehrere Mitglie- derverzeichnisse der Hubertusbruderschaft, die zum mindesten in ihren älteren Angaben auf ein nicht mehr auffindbares, im Jahr 1450 angelegtes, Original- verzeichnis zurückgehen.

Der oder die Gründer der Hubertusbruderschaft werden im Mitgliederverzeichnis nicht genannt, es sei denn, man dürfte die Eintragung, die sich im Verzeichnis hinter dem Namen Godert dey Wrede tho Rederen befand, aber durch einen Flecken unleserlich geworden war, als fundatoris filius (Sohn des Gründers) lesen, wie es 1938 ein Archivar des Staatsarchivs Münster vorschlug (von anderen Archivaren abgelehnt). Es ergibt sich dann allerdings sogleich die Frage, ob unter fundator der Gründer der Hubertusbruderschaft oder der Gründer (Stifter) der Hubertuskapelle verstanden werden muß. Die Verbindung zwischen Bruderschaft und Kapelle ist von den ersten Nachrichten an so eng, daß beide Möglichkeiten ins Auge gefaßt werden müssen. Da es nun aber einigermaßen unwahrscheinlich ist, daß ein einzelner und überdies ziemlich unbedeutender Adliger eine religiöse Bruderschaft gründete (man kann hier nicht zum Vergleich adlige Ordensgründer wie Ignatius von Loyola heran- ziehen), wird man bei dem fundator eher an den Gründer der Kapelle denken müssen. Der Gründer der Bruderschaft oder derjenige, der ihre Gründung angeregt hat, muß daher wohl in geistlichen Kreisen gesucht werden, und bei dieser Suche stößt man natürlich wieder auf den Schreiber des Mitglie- derverzeichnisses. Die Art, wie er das Verzeichnis geführt hat (später ist es sehr oberflächlich geführt worden), läßt auf ein besonders enges Verhältnis zur Bruderschaft schließen.

Daß ein Geistlicher bei der Gründung der Hubertusbruderschaft eine entschei- dende Rolle gespielt hat, ergibt sich auch aus den bereits erwähnten Ziel- setzungen der Bruderschaft. Nach ihren Zielsetzungen ist die Müscheder Hubertusbruderschaft den Kalandbruderschaften an die Seite zu stellen, die, vielfach im späten 14. Jahrhundert gegründet und besonders ab etwa 1450 neubelebt (Seibertz UB Nr. 865, Text und Anmerkung), ursprünglich Verei- nigungen der Geistlichen der einzelnen Dekanate waren, bald aber auch Laien aufnahmen und nicht zuletzt dadurch zur Gründung fast reiner Laienbru- derschaften anregten. Diese Kalandbruderschaften hatten ihre Kalandfeier, die mit dem Hubertusfest der Müscheder Hubertusbruderschaft verglichen werden kann. Auf beide traf später zu, daß die Pflege der Geselligkeit wichtiger wurde als die Verfolgung der religiösen Zwecke, daß aus der kleinen Bewirtung (Traktament) zur Kalandfeier oder zum Hubertusfest ein Gelage wurde.

Wir fassen zusammen: Die Müscheder Hubertusbruderschaft wurde wahr- scheinlich um 1450 als eine religiöse Laienbruderschaft (unter geistlicher Leitung) gegründet, und zwar möglicherweise auf Anregung des Mannes hin, der die ersten Blätter des Mitgliederverzeichnisses geschrieben hat. Die Gründung stand in engstem Zusammenhang mit der Errichtung der Huber- tuskapelle. Die Bruderschaft war im Prinzip eine rein Müscheder Institution und als solche, Trägerin der Hubertuskapelle.

Am 18. Juni 1766 beschlossen die Hubertusbrüder auf dem Kapellenhof, auf dem alljährlich die „Rechnung abgehalten“ wurde (Jahresrechnung), daß die Bruderschaft „nach altem Fuß gehalten werden“ solle (in ursprünglicher Weise weiterbestehen solle). Es kam zu einer Reform der Bruderschaft und des Hubertusfestes in den Jahren 1766/67. Dabei ging es in erster Linie wohl um eine Neugestaltung des unterhaltenden Teils des Hubertusfestes. Die erhalten gebliebenen Nachrichten befassen sich fast ausschließlich mit Fragen des Essens und Trinkens. So bestimmen die Hubertusbrüder für das Jahr 1767, daß die Brüder Petersmann und Aßheuer, die die Bruderschaft „halten“, von Michel folgende Beisteuer erhalten sollen: einen Schinken von 12 Pfund, 2 Mütte Gerste, ein Stück gutes, trockenes Rindfleisch, einen Käse und eine Rolle Butter. Diese Beisteuer soll geleistet werden, bis der Weber die Bruderschaft „halten“ wird, und diesem soll dann das ganze Dorf helfen. Der Entlastung der die Bruderschaft „haltenden“ Brüder diente ein Beschluß vom 27. Juni 1781, nach dem der erste Bruder nur noch drei Paar Gäste, der zweite Bruder nur noch zwei Paar Gäste „betten“ sollte, „damit die Brüder im Essen und Trinken besser können bewirtet werden“. Auf dem Hubertusfest, das aus Witte- rungsgründen statt im November an drei Tagen in der zweiten Junihälfte gefeiert wurde, war das Tabakrauchen an den Tischen der Geistlichen, Gäste und Brüder verboten (Strafe bei Zuwiderhandlung: ein halbes Pfund Wachs). Spiel, Tanz und Bierausschank mußten um neun Uhr abends aufhören. Die Teilnahme am Festgottesdienst, an der Prozession und am Seelenamt war Pflicht (Strafe bei Nichtteilnahme: ein halbes Pfund Wachs).

Trotz dieser Reformbemühungen ist es vor allem gerade nach der Reform von 1766/67 zu den Auswüchsen gekommen, die schließlich 1825/26 das Ende der Bruderschaft herbeiführten. Die Festlichkeiten konzentrierten sich mehr und mehr auf ein großartiges Festessen, das sogenannte Traktement, und die dieses Essen umrahmende Unterhaltung, in der bei der Bewertung der Huber- tusfeierlichkeiten durch ihre Gegner der sogenannte Pfeffertanz eine besondere Rolle spielte. Er wurde als ausschweifend bezeichnet und stellte somit den Höhepunkt des Ungehörigen dar. Es ist aber auch denkbar, daß der Tanz nicht Pfeffer-, sondern Pfeifertanz genannt wurde, weil die Müscheder nach den Klängen einer Pfeifergruppe tanzten (solche Gruppen gab es damals in großer Zahl und konnten gemietet werden). Die Bezeichnung Pfeffertanz kann also eine mißlungene Verhochdeutschung des plattdeutsch gesprochenen Wortes für Pfeifertanz gewesen sein. In den von dem bereits erwähnten Müscheder Lehrer Hüttemann mitgeteilten und von Seissenschmidt übernommenen Überlieferungen gibt es weitere derartige Mißverständnisse. So werden zum Beispiel die Kirchenmeister (Provisoren) der Hubertuskapelle zu Küchenmeistern gemacht und daraus falsche Schlüsse hinsichtlich der Rolle der Kirchenmeister gezogen. Aus den Herrenkühen, die in einem 17jährigen Turnus von den 17 alten Höfen und Kotten Müschedes dem Kurfürsten geliefert werden mußten, macht Hüttemann Ehrenkühe; eine solche Ehrenkuh mußte angeblich für das Traktement zur Verfügung gestellt werden, und der jeweilige Lieferant erhielt für das jeweilige Jahr die Bruderländer (Ländereien der Hubertusbruderschaft) zur Nutzung. Hier sind Dinge durcheinandergeraten, die nichts miteinander zu tun haben. Die Kuhabgabe an den Kurfürsten betrifft in keiner Weise das Kalb, das alljährlich für das Essen am Hubertusfest angeschafft wurde (meist aus dem Stall eines Hubertusbruders, der dafür entsprechend bezahlt wurde).

Was man auch von den von Hüttemann und Seissenschmidt überlieferten Vorwürfen bagatellisieren und sogar streichen mag, es blieben offensichtlich genug Gründe für den Landrat, den Hüstener Pfarrer Lohne und einen Teil der Müscheder Gemeindevertretung, der Hubertusbruderschaft durch Wegnahme ihrer Grundstücke die Existenzgrundlage zu nehmen (1825/26). Diese Entschei- dung wurde zwar später revidiert, aber die Geschichte der alten Hubertus- bruderschaft endete 1826 (Akten im Pfarrarchiv St. Petri, Hüsten).

Quelle:
Wilhelm Voss-Gerling,
Müschede - eine Chronik,
Kolpingsfamilie Müschede, 1989

Auflösung und Neugründung

Auflösung der Bruderschaft in Jahr 1826

Nachfolgend wird der wesentliche Inhalt einer umfangreichen Akte zur Auflösung und Neugründung der Hubertusbruderschaft zu Müschede in den Jahren 1826 bzw. 1850 wiedergegeben.

Die Aufhebung der Bruderschaft im Jahre 1826 war über die Köpfe der Hubertusbrüder hinweg ohne deren Einverständnis angeordnet worden. Ebenso rücksichtslos verfuhr man mit dem nicht unerheblichen Vermögen dieser Bruderschaft. Es bestand aus drei Ackerländern, den sog. “Bruderländern”, und den jährlichen Einkünften, bestehend aus 8 Hühnern und einer von Kötter Rohe zu zahlenden Rente von 3 Talern. Mit Zustimmung des Gemeindevorstandes und der Gemeindeglieder sowie der königlichen Regierung in Arnsberg wurden die Ackerländer der Schulstelle als bleibende Dotation übertragen. Die Einkünfte aus der Verpachtung dieser Länder wurden nun für die Vergütung des Lehrers verwendet. Zur Deckung der jährlichen Gottesdienst- und Bewirtungskosten des Hüstener Pfarrers standen sie jetzt nicht mehr zur Verfügung.

Mit diesen für die Kirche ungünstigen Folgen hatte Pfarrer Lohn – mitver- antwortlich für die Auflösung der Bruderschaft – nicht gerechnet. Da auch die politische Gemeinde nicht bereit war, diese Kosten zu übernehmen, entschied er kurzerhand, den Gottesdienst in Müschede, auch am Hubertusfest, sowie die Beichtgelegenheit der Kinder zu Weihnachten und in der Osterzeit, einzustellen, solange die Kosten von der Gemeinde nicht übernommen würden. Diese, für die Müscheder unakzeptable Entscheidung bewirkte ein Umdenken zugunsten der früheren Bruderschaft, die seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich die Kosten des Gottesdienstes und die Bewirtung des Pfarrers und seines Küsters übernommen hatte.

Die Auflösung war null und nichtig

Aufgrund einer Beschwerde der Müscheder gegen die überzogene Reaktion des Hüstener Pfarrers wendete sich das Paderborner Kapitular-Vikariat (Generalvikariat) mit einem Schreiben vom 19. Dezember 1844 an den Landrat von Lilien zu Arnsberg. Es wurde geltend gemacht, dass die Müscheder St. Hubertusbruderschaft eine zu religiösen Zwecken gegründete Gesellschaft war. Ihr Hauptzweck diente der religiösen Erbauung durch gemeinschaftlichen, öffentlichen Gottesdienst an bestimmten Tagen und die Förderung der brüderlichen Liebe. Zu diesem Zweck wurde der Gottesdienst abgehalten und zu diesem Zweck war von der Bruderschaft die Kapelle zu Müschede erbaut und unterhalten worden. Das Traktement, welches jährlich für sämtliche Mitglieder der Bruderschaft veranstaltet und aus dem Bruderschaftsvermögen bezahlt wurde, sollte nur den Zweck haben, die brüderliche Liebe unter den Mitgliedern zu wecken und zu erhalten.

Die Hubertusbruderschaft war somit ein kirchliches Institut und hätte ohne Zustimmung des Generalvikariats nicht aufgehoben und ihr Vermögen nicht zu anderen Zwecken verwendet werden dürfen. Die Aufhebung der Bruderschaft im Jahre 1826 war aber ohne deren Zustimmung geschehen und eben deshalb „null und nichtig“. Die noch lebenden Mitglieder der aufgehobenen Bruderschaft bestanden darauf, dass der Gottesdienst zu Müschede nach wie vor abgehalten werden sollte und behaupteten, die Aufhebung im Jahre 1826 sei einseitig durch den damaligen Gemeindevorstand veranlasst worden, ohne dass man sie um ihre Zustimmung gefragt habe. Demzufolge war die Aufhebung auch aus diesem Grunde „null und nichtig“. Abschließend wurde der Landrat aufgefordert, die Kosten für die Abhaltung des jährlichen Gottesdienstes in Müschede aus dem Schulfonds oder aus der Gemeindekasse künftig zu zahlen und die für die Jahre von 1826 bis 1837 ausgebliebenen Zahlungen nachzuentrichten.

Das Schreiben enthält einen Zusatz, in dem Pfarrer Lohn die von seiner Auffassung abweichende Haltung des Generalvikariats noch einmal zusammenfassend mitgeteilt wurde. Abschließend heißt es: “Wie Sie dies so ganz haben übersehen können, kann nur sehr auffallend sein, und gereicht Ihnen wahrlich nicht zum Lobe, sondern nur zum Vorwurf.” Pfarrer Lohn starb einige Monate später, sein Nachfolger wurde Pfarrer Schlüter.

Quelle: 
Hubert Michel,
Auflösung und Neugründung der Müscheder 
St. Hubertusbruderschaft im Jahre 1826 bzw. 1850
Müscheder Blätter 2000, 20. Folge

Auflösung und Neugründung

Die Mitglieder werden aktiv

Zu diesem Zeitpunkt lebten unter den “Alteingesessenen” noch 15 ehemalige Mitglieder der Hubertusbruderschaft. Obwohl diese sich über die eindeutige Haltung des Generalvikariats natürlich freuten, waren sie enttäuscht darüber, dass die immer wieder geforderte Neugründung der Bruderschaft mit keinem Wort erwähnt worden war. Aus ihren Reihen formierte sich nun eine Gruppe von 11 Personen (s. unten) mit dem Ziel, die Neugründung der Bruderschaft voranzubringen. Im August 1845 trafen sie sich mit den wichtigsten Interessenvertretern zu einer entscheidenden Verhandlung. Anwesend waren:

A Vom Kirchenvorstand:
1. der Pfarrverweser Mönikes von Hüsten,
2. der Rentmeister Altstädt, Vertreter des Grafen von Fürstenberg zu Herdringen,
3. der Rendant Becker von Hüsten.

B Vom Müscheder Schulvorstand:
1. der Pfarrverweser Mönikes von Hüsten,
2. der Gemeindevorsteher Wiesehoff von Müschede,
3. der Schulvorsteher Lingemann von da,
4. der Schulvorsteher Lentmann von da.

C Von den ehemaligen Mitgliedern der Hubertusbruderschaft:
Wiesehoff, Lingemann, Lentmann, Voß, Weber, Kötter, Rocholl, Michel, Sinn, Tillmann, Michel und Rihse als Vormünder der minderjährigen Kinder der Stuten.

D Vom Gemeindevorstand Müschede, welcher von 5 Verordneten vertreten wird:
1. Vorsteher Wiesehoff und die Verordneten
2. Lingemann,
3. Voß,
4. Michel und
5. Tillmann.

Es wurde folgender Beschluss gefasst:
Es wird allseitig anerkannt, dass die von Seiten des Gemeindevorstandes unter dem 29. Januar 1826 gemachte Schenkung an den Schulfonds zu Müschede nicht als gültig anzuerkennen ist und zurückgenommen werden soll.

Dagegen wolle man, um den Lehrer als Nutznießer der 3 Parzellen (Bruderländer) für den Verlust zu entschädigen, von Seiten des Schulvorstandes beschließen, das Schulgeld von zur Zeit 12 Silbergroschen auf 20 Silbergroschen pro Kind zu erhöhen. Bei zur Zeit 90 Kindern wäre das eine angemessene Entschädigung von 24 Reichstalern. Man hoffe auf eine Genehmigung dieser Regelung durch die Königliche Regierung in Arnsberg.

Zu den von der Kapellenkasse zurückgeforderten Kosten der Bruderschafts Gottesdienste erklärte die Versammlung, dass man diese Forderung des nunmehr verstorbenen Pfarrers Lohn resp. dessen Erben abweisen müsse, weil dies Sache des Hüstener Pastorats sei. Zum Schluss der Verhandlungen wurde Lehrer Hüttemann hinzugezogen. Er erklärte sich mit der ihn betreffenden Vereinbarung einverstanden.

Mit diesem einmütig gefassten Beschluss war auf örtlicher Ebene der Frieden wieder hergestellt. Nun wartete man auf die Entscheidung der Königlichen Regierung zu Arnsberg. Sie kam zwei Jahre später, am 23. Januar 1847. Zunächst wurde von dort festgestellt, dass die o. g. Vereinbarung, anders als im Schreiben vom 24. August 1845 dargestellt, ohne Zustimmung des Müscheder Lehrers getroffen worden sei. Der beabsichtigten Erhöhung des Schulgeldes zur Entschädigung des Lehrers könne man nicht zustimmen, weil dadurch der unbemittelten Klasse der Schulbesuch noch mehr erschwert würde. Nur wenn alle Beteiligten, einschließlich Lehrer, darüber einig wären, dass die Rückgabe der Grundstücke erfolgen soll und die vollständige Entschädigung des Lehrers auf andere zulässige Weise sichergestellt werden kann, „würden wir unsere Genehmigung einer solchen Vereinbarung nicht versagen“.

Pfarrer Schlüter hatte die Pfarrstelle in Hüsten gerade erst angetreten und war mit dem Fall “Hubertusbruderschaft” noch nicht vertraut. Er bat daher das Generalvikariat in Paderborn, das Schreiben der Regierung zu beantworten. Dieses sah jedoch keine Veranlassung, mit der Königlichen Regierung in “Communikation” zu treten. Pfarrer Schlüter wurde mitgeteilt, dass es ihr lediglich um die Begleichung der ausstehenden Zahlungen gehe, die früher von der Hubertusbruderschaft aus ihrem Vermögen an den Hüstener Pfarrer und Küster gezahlt worden seien. Solange die Bruderschaft nicht zu erkennen gäbe, dass sie nach Rückgabe ihres Vermögens diese Verpflichtung wieder übernimmt, bestände keine Veranlassung, sich wegen der Herausgabe der fraglichen Grundstücke mit der Regierung auseinanderzusetzen. Pfarrer Schlüter wurde gebeten, diese Frage zunächst mit den ehemaligen Mitgliedern der Bruderschaft zu klären. Im übrigen wurde der Bruderschaft wegen der ablehnenden Haltung der Königlichen Regierung zu Arnsberg empfohlen, sich in dieser Angelegenheit direkt “an des Königs Majestät in Berlin” zu wenden.

Quelle: 
Hubert Michel,
Auflösung und Neugründung der Müscheder 
St. Hubertusbruderschaft im Jahre 1826 bzw. 1850
Müscheder Blätter 2000, 20. Folge

Auflösung und Neugründung

Eine Eingabe an den König bringt die Wende

Daraufhin richtete Pfarrer Schlüter nach einem Abstimmungsgespräch in Müschede am 15. März 1849 für die Bruderschaft eine Eingabe an das Königliche Ministerium in Berlin. Gleichzeitig teilte Pfarrer Schlüter dem General- vikariat in Paderborn mit, die Bruderschaft in Müschede habe die Beschwerde gegen die Königliche Regierung in Arnsberg an das Königliche Ministerium in Berlin eingereicht. Die Antwort traf ein Jahr später, am 20. Mai 1850, in Müschede ein. Sie hat den folgenden Wortlaut:

Der Hubertus-Bruderschaft wird auf die Vorstellung vom 15. März nach Eingang der darüber erforderten Berichte der Königlichen Regierung zu Arnsberg eröffnet, daß, bevor die Herausgabe der von den Gemeindedeputierten zu Müschede unter dem 29. Januar 1826 dem dortigen Schulfonds überwiesenen, der Hubertus-Bruderschaft gehörigen 3 Grundstücke ausgeführt werden kann, für den dortigen Lehrer eine angemessene Entschädigung reguliert werden muß, da derselbe im Verwaltungswege nicht angehalten werden kann, ohne solche den bisherigen Nutzungsbesitz aufzugeben. Wegen Regulierung dieser Entschädigung habe ich die Königliche Regierung zu Arnsberg mit Anweisung versehen, von welcher der Hubertus-Bruderschaft demnächst weitere Eröffnung zugehen wird.

An die Hubertusbruderschaft, zu Händen des Vorstehers Wiesehoff zu Müschede.

Wenn das Schreiben des Königlichen Ministeriums auf den ersten Blick auch keine Neuigkeiten enthielt, so hatte es doch bewirkt, dass die Müscheder von den beteiligten Behörden nun ernster genommen wurden – unter den Augen des Königs musste die bisherige Zermürbungstaktik aufgegeben werden. Dies zeigt das präzise und konstruktiv formulierte Schreiben der Amtsverwaltung vom 5. Dezember 1849 an Pfarrer Schlüter, der gebeten wird, bei der Aufklärung der folgenden 13 die Bruderschaft betreffenden Punkte behilflich zu sein:

  1. Ob der Hubertusbruderschafts-Verein zu Müschede in seiner ursprünglichen und späteren Verfassung ein Privatverein oder
  2. ob derselbe eine berechtigte Corporation ist,
  3. weshalb 1826 eine Auflösung erfolgt ist,
  4. wie solche erfolgt ist,
  5. welche Stiftungsbedingungen vorliegen,
  6. welcher Art die seit 1826 anscheinend neu gebildete Bruderschaft ist,
  7. Rechtsgrund derselben in Bezug auf die Nachfolge der früheren Bruderschaft,
  8. ob und welche Statuten die Bruderschaft hat,
  9. ob Protokollbücher vorhanden sind,
  10. die Bruderschaft ein Hypothekenfolium hat,
  11. dieselbe sich auf Synodal-Statuten beruft, welche Synodal-Statuten damit gemeint sind,
  12. die alte Bruderschaft unter bischöflicher Genehmigung entstanden ist,
  13. ob und mit welcher kirchlichen Stiftung der Bruderschafts-Fonds beschwert ist.

Pfarrer Schlüter ließ sich in seiner Erwiderung vom 27. Dezember 1849 auf die differenzierte Fragestellung nicht ein und stellte nach einer Abstimmung mit dem Generalvikariat in Paderborn fest, dass ihm keine Säkularstatuten bekannt seien, denen die Bruderschaft ihre Entstehung zu verdanken habe, sowie auch überhaupt die Bruderschaften in der katholischen Kirche nicht durch Gesetze entstanden seien. Ebensowenig sei ihm bekannt, ob die besagte Bruderschaft die Genehmigung des Bischofs erhalten habe. Nach Ansicht des Generalvikariats sei es in der vorliegenden Sache aber auch nicht nötig, die rechtliche Existenz der Bruderschaft als neue kirchliche Corporation erst noch urkundlich auszuweisen, da dieselbe seit urdenklichen Zeiten bestand und Vermögen besessen habe. Ihre Auflösung sei ohne die Zustimmung der Mitglieder und der geistlichen Ebene, bloß durch den Gemeindevorstand und der Staatsbehörde erfolgt und darum null und nichtig. Die Bruderschaft bestehe rechtlich noch und habe rechtlich nicht aufgehört zu existieren. Sie könne mit vollem Recht der ihr durch unbefugte Dritte widerrechtlich entzogenen Länder zurückverlangen.

Quelle: 
Hubert Michel,
Auflösung und Neugründung der Müscheder 
St. Hubertusbruderschaft im Jahre 1826 bzw. 1850
Müscheder Blätter 2000, 20. Folge

Auflösung und Neugründung

Fortschritte werden sichtbar

Den Hubertusbrüdern wurde nach diesem Schreiben allerdings klar, dass sich die Rückgabe ihrer Länder noch einige Zeit hinziehen würde. Sie beschlossen daher, die offizielle Neugründung auch ohne eine abschließende Regelung der Vermögensfrage durchzuführen. Man war inzwischen bereit, in die Pflichten der alten Bruderschaft wieder einzutreten, und mit einer rechtmäßig beschlossenen Vereinssatzung konnte diese Bereitschaft gegenüber dem Generalvikariat und der Königliche Regierung am besten dokumentiert werden. Pfarrer Schlüter befürwortete diese Vorgehensweise, und so traf man sich am 9. Juni 1850 zur Beratung und Beschlußnahme über die Reorganisation der Bruderschaft. Unter den Alteingessenen war diese Initiative allerdings umstritten, es erschienen daher nur 7 der 15 noch lebenden ehemaligen Mitglieder, nämlich Rocholl, Michel, Schütte, Voß, Synn, Weber und Müller. Es wurde der folgende Beschluss gefasst:

  1. Die aus den 15 Alteingesessenen bestehende Hubertusbruderschaft soll erweitert und jedem Einwohner der Gemeinde Müschede der Eintritt in dieselbe unter den weiter unten folgenden Bedingungen freigestellt werden.
  2. Die auf diese Weise erweiterte Gesellschaft verfolgt auch fernerhin die von der alten Hubertusbruderschaft verfolgten Zwecke, nämlich religiöse Erbauung durch gemeinschaftlichen öffentlichen Gottesdienst an bestimmten Tagen, zur Weckung und Erhaltung der brüderlichen Liebe. Sie führt darum auch fernerhin den Namen Hubertusbruderschaft, und ihre Mitglieder nennen sich Hubertusbrüder.
  3. Das zur Weckung und Erhaltung der brüderlichen Liebe früher stattgefundene Traktement oder Festessen kann den Zeitumständen nach nicht mehr als passend erachtet werden und es soll an dessen Stelle ein gemeinschaftliches öffentliches, anständiges Vergnügen, bestehend in einem gemeinschaftlichen, mäßigen Biertrinken und musikalischer Unterhaltung treten.
  4. Der zeitige Pfarrer in Hüsten ist fernerhin, wie auch in früheren Zeiten, der erste Hauptmann der Hubertusbruderschaft. Von ihm allein hängt die Anordnung und Abhaltung des für die Hubertusbruderschaft stattfindenden Gottesdienstes ab. Da derselbe die Anordnung und Leitung des jährlichen, für die Hubertusbruderschaft zu veranstaltenden gemeinschaftlichen Vergnügens nicht übernehmen kann, so wird für diesen Zweck ein zweiter Hauptmann gewählt, welchem zwei Scheffen zur Seite gegeben werden. Die Funktion dieses zweiten Hauptmanns dauert zwei Jahre, die Wahl geschieht von der ganzen Hubertusbruderschaft nach Stimmenmehrheit, es sind alle Hubertus-Brüder zu dieser Wahl von dem Hauptmann zuvor einzuladen, der ausscheidende Hauptmann ist indessen wieder wählbar. Jedes Jahr scheidet einer von den Scheffen durch Los aus und wird an seiner Stelle ein anderer gewählt. Die Wahl geschieht nach Stimmenmehrheit. Der ausscheidende Scheffe ist wieder wählbar, braucht aber die Wahl wider seinen Willen nicht anzunehmen, sowie auch der zweite Hauptmann beim zweiten mal die Wahl ablehnen kann.
  5. Nur unbescholtene Personen können als Mitglieder in die Bruderschaft aufgenommen werden. Ausgeschlossen sind daher alle diejenigen, welche wegen schweren Verbrechen von dem Gericht kriminell bestraft sind, ausgeschlossen sind ferner alle dem Laster der Trunkenheit und dem Laster der Unzucht ergebenen Personen sowie auch noch endlich alle diejenigen ausgeschlossen werden, welche in fortwährender Feindschaft mit ihren Mitmenschen leben, und sich mit denselben nicht versöhnen wollen, in dem diese keinen Anspruch auf den Namen eines Hubertusbruders haben und verdienen.
  6. Dem zweiten Hauptmann und die ihm zur Seite stehenden Scheffen steht es frei, und wird es ihnen noch als Pflicht auferlegt, solche Hubertusbrüder, welche sich den vorhingenannten Lastern ergeben, gemeinschaftlich aus der Bruderschaft auszustoßen. Dem Ausgestoßenen soll es frei stehen, gegen diese seine Ausstoßung bei dem ersten Hauptmann, nämlich bei dem zeitigen Pfarrer in Hüsten Beschwerde zu führen, bei dessen Entscheidung es aber sein unabänderliches Bewenden hat. Die ausgestoßenen Mitglieder können zwei Jahre nach ihrer Ausstoßung, wenn sie sich durch ein besseres unbescholtenes Betragen dazu würdig gemacht haben, in die Bruderschaft aufgenommen werden.
  7. Bei dem jährlich stattfindenden gemeinsamen Vergnügen ist der Genuss von Branntwein und Wein aufs strengste untersagt. Wer sich unterfangen sollte, hierbei diese Getränke zu genießen, wird aus der Bruderschaft ausgestoßen und hört auf, ein Hubertusbruder zu sein. Ausgestoßen wird ferner, wer sich bei diesem Vergnügen berauscht, mit anderen Streit anfängt und sich überhaupt ungebührlich beträgt. Die Ausstoßung geschieht auf dieselbe Weise, wie im vorhergehenden § 6 angegeben worden ist.
  8. Über die Zeit, in welcher die frühere Prozession und das zu veranstaltende Vergnügen stattfinden solle, war eine Meinungseinigung nicht zu erzielen. Die Mitglieder Rocholl, Michel, Müller, Voß und Weber treten dafür ein, dass das Vergnügen an einem Sonntag anfangen und am darauffolgenden Montag die Prozession stattfinden solle. Die Mitglieder Lingemann und Synn fanden es es für besser, dass zuerst an einem Montag die Prozession abgehalten werde und nach deren Beendigung das Vergnügen stattfinde, welchem der mitunterzeichnete Pfarrer beitrat.
  9. Am ersten Sonntag nach dem 19. Mai versammeln sich die sämtlichen Hubertusbrüder nach vorhergegangener Einladung des zweiten Hauptmanns zur Beratung und Beschlussnahme, ob und wann das gemeinschaftliche Vergnügen stattfinden solle.
  10. Über die lebendigen als auch über die verstorbenen Hubertusbrüder sollen besondere Bücher angelegt und geführt werden. Als Hubertusbruder kann nur jener eingeschrieben werden, der zwei Jahre vorher als Gast beigewohnt und namentlich am Gottesdienste sich beteiligt hat.
  11. Der an bestimmten Tagen des Jahres abgehaltene Gottesdienst wird wie in den früheren Zeiten abgehalten, nämlich in der Weihnachtszeit und in der österlichen Zeit wird eine hl. Messe gelesen, wo dann zugleich die Alten und Schwachen sowie die Schulkinder beichten. Im Sommer wird die Prozession nebst Hochamt und Frühmesse abgehalten, sowie auch Hochamt und Frühmesse am Tage des hl. Hubertus stattfindet. Die Vergütung des Geistlichen für die Abhaltung dieses Gottesdienstes bleibt vorbehalten.
  12. In den ersten Wochen nach dem Tode eines Hubertusbruders wird für diesen in der Kapelle eine hl. Messe gelesen, der möglichst alle Hubertusbrüder beizuwohnen haben. Die Vergütung für den Geistlichen wird aus der Kasse der Gesellschaft bestritten.
  13. Die Wahl des zweiten Hauptmanns und der beiden Scheffen soll in der nächsten Zeit stattfinden.

In einer weiteren Verhandlung am 13. Juni 1850 konnte über einige o. g. strittige Punkte bereits Einigkeit erzielt werden. Das Mitglied Petersmann welches der Verhandlung am 9. Juni nicht beigewohnt hatte, trat derselben im Allgemeinen bei. Das Mitglied Sonntag wollte überhaupt der Verhandlung vom 9. Juni nicht beitreten und entfernte sich vor der Unterschrift. Zum zweiten Hauptmann wurde Mitglied Theodor Voß, zu Scheffen die Mitglieder Rocholl und Weber gewählt. Die Prozession soll nach Abstimmung am Montag nach Maria Heimsuchung stattfinden und das Vergnügen am Tage vorher anfangen.

Das Ziel ist erreicht

Für den darauffolgenden Freitag hatte der zweite Hauptmann Theodor Voß alle Ortsbewohner eingeladen. Die Protokolle der beiden Verhandlungen vom 9. und 13. Juni wurden laut und deutlich verlesen. Danach ließen sich 66 Personen aus Müschede und 13 aus den Ortschaften Deinstrop, Hachen, Mellen, Hüsten, Wocklum, Uentrop, Fröndenberg, Dillenburg, Pettingen und Sundern als Hubertusbrüder einschreiben. Es wurde vereinbart, für das erste Jahr pro Person zwanzig Silbergroschen an die Bruderschaft als Einschreibegebühr zu zahlen. Ein Jahr später war die Mitgliederzahl bereits auf 130 angestiegen.

Nun fehlte der neugegründeten Bruderschaft nur noch die Rückgabe der drei Bruderländer. Wegen dieser Angelegenheit wurde noch mehrmals hin und her geschrieben. Einem Schreiben des Generalvikariats vom April 1851 kann dann endlich entnommen werden, dass die Rückgabe der drei Ackerländer an die Hubertusbruderschaft erfolgt ist.

Quelle: 
Hubert Michel,
Auflösung und Neugründung der Müscheder 
St. Hubertusbruderschaft im Jahre 1826 bzw. 1850
Müscheder Blätter 2000, 20. Folge