Ortsarchiv Müschede (OAM) _____ADH Müschede

Chronik
 


Die Kirche von 1871

Als Pfarrer Schmidt aus Hüsten am Patronatsfest l869 den Bau einer neuen Kirche anregte, zählten die Hubertusbrüder zu den eifrigsten Befürwortern. Sie verkauften zwei der drei Länder für 69o Taler. Damit war ein Grund- stock geschaffen. Fürstenberg und die Müscheder Bauern verzichteten auf die Jagdpacht, die insgesamt 785 Taler ausmachte und stifteten sie dem Kirchbaufonds. Fürstenberg legte auch die Jagdpacht für die nächsten zehn Jahre vor.

Noch im gleichen Jahr begann man mit dem Brechen der Steine im alten Steinbruch hinter Kleinschnittger am Steinbrink. Die Bauern fuhren das Material kostenlos an, und Diözesan-Baumeister Güldenpfennig lieferte den Bauplan gratis. Es herrschte große Begeisterung im Ort, und alle zogen kräftig mit. So schritt der Bau rasch fort. l871 am Hubertustag konnte das Kirchlein bereits benediziert werden. Der helle und geräumige Bau, den die Maurermeister Mutzenbach und Lentmann errichtet hatten, stand trotz der hohen Kosten von 5000 Talern schuldenfrei da. Das war nur möglich dank der unglaublichen Einigkeit der

Dorfbewohner und der daraus resultierenden großen Opferbereitschaft. Das alte Kirchlein aber, das wohl über 4oo Jahre gestanden hatte, war vorher abgerissen worden. Während der Bauzeit lief über den Platz, auf dem es gestanden hatte, eine Rampe, über die die Steine für den Neubau hoch- gekarrt wurden. Einige Fundamentreste im Keller des Hauses Franke, Hubertusstraße, blieben erhalten.

Der Eingang der neuen Kirche von 1871 befand sich genau gegenüber der damaligen Schule, heute Haus Fabri. Der Choranbau endete mit dem Dop- pelhaus Franke/Wältermann. Man kann also sagen, daß diese Kirche etwas länger war als das Doppelhaus. Auf dem Dach saß über der Orgelempore ein Dachreiter mit einer Glocke darin. Ein Kreuz mit Wetterhahn krönte das Türmchen. Das alte schmiedeeiserne Kreuz, das beim Abbau des Dach- reiters in den 30er Jahren als Schrott verkauft werden sollte, erstand Lehrer Fabri und stellte es in seinen Obstgarten, wo es heute noch steht. Der Hahn ging verloren.

Der neugotische Altar war ein Geschenk der Familie von Fürstenberg, die in der Müscheder Gemarkung schon damals über großen Grundbesitz verfügte. Er trug wie üblich das Wappen des Stifters. Mittelpunkt war jedoch das Kreuz, flankiert von den Statuen des hl. Johannes und der Gottesmutter Maria. Ferner schmückten Standbilder des hl. Josef und des hl. Antonius den Altar. Um den Sakristeianbau zu ersparen, hatte man Holzwände zwischen dem Altar und den Seitenmauern des Chorraumes eingezogen. Rechts befand sich der Eingang zu dem allzu engen Sakristeiraum, und links des Altars hatte man Platz für einen Beichtstuhl geschaffen. Vor den Wän- den dieser Abtrennung standen auf der einen Seite eine Herz-Jesu-Statue und auf der anderen eine Herz-Mariä-Statue.

In der Mauer hinter dem Altar befand sich ein Rundfenster mit einer Dar- stellung des Kapellenpatrons Hubertus. Die gegenüberliegende Wand schmückte über der Empore, in Müschede Orgelbühne genannt, ebenfalls ein großes Rundfenster. Drei hohe Seitenfenster ließen das Licht in den schmalen, hohen Raum mit neugotischem Gewölbe. Auf der linken Seite, der Frauenseite, zeigten die weißen Fenster im Rautenmuster Medaillons mit Abbildungen des hl. Abtes Antonius, des hl. Josef und der Gottesmut- ter. Auf der gegenüberliegenden Seite waren die hl. Maria Magdalena, der hl. Petrus und der hl. Antonius von Padua dargestellt.

Die Müscheder waren stolz auf ihre neue Kirche. Aber bald schon zeigten sich die ersten Fehler. Das Dorf zählte l885 bereits 611 Einwohner. Der Sensenhammer lief in diesen Jahren an, und in den benachbarten Orten Hüsten und Neheim ließen sich nach dem Bau der Ruhrtal-Bahnlinie immer mehr Industriebetriebe nieder. Müschede wuchs, und bald ging es mit dem Kirchlein wie mit der Schule - es wurde zu klein. Für die l871 gezählten 9o Schulkinder - l914 waren es schon 214 - gab es von vornherein nur wenig Platz.

Quelle: Dr. Fridrich Fabri,
Müschede - eine Chronik,
Kolpingsfamilie Müschede, 1989

 
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