Ortsarchiv Müschede (OAM) _____ADH Müschede

Chronik
 
 


Der Kirchenumbau von 1957

Sorge und Not lehrte die Menschen Beten. Doch auch diese schwere Zeit ging vorbei, ebenso wie die Jahre des Hungers, des Wartens auf die Heimkehr der Kriegsgefangenen, des Flüchtlingsdaseins in fremder Umgebung und auf engstem, oftmals nicht gegönntem Wohnraum. Nach der Währungsreform setzte dann ein allgemeiner Aufschwung ein, der sich auch für die Pfarrgemeinde bemerkbar machte.

Schon am 12. März 1949 läuteten die neuen Glocken den Sonntag ein, zum erstenmal wieder seit Jahren. Sie hatten die gleiche Tonlage und die glei- chen Aufschriften wie die beiden im Kriege eingeschmolzenen Glocken. Es war ein Freudentag für das ganze Dorf. Die inzwischen über 3o Jahre alte Kirche hatte auch ihre Schwächen. An der nach Südwesten gerichteten Giebelseite kam bei Schlagregen Wasser durch. Verschiedene Versuche, sie abzudichten, blieben erfolglos. Außerdem war die Orgelbühne zu klein, wenn ein Chor bei der Feier eines Gottesdienstes auftrat. Doch auch das Formenbewußtsein hatte sich gewandelt; den Verantwortlichen gefiel die Kirche nicht mehr; man wollte modern sein. So beschloß der Kirchenvorstand 1957, nicht nur ein Joch anzubauen sondern zugleich auch die spitzgiebligen Fenster in Rundbogenfenster umzuwandeln sowie den spitzwinkligen Chorabschluß auszurunden; die übrigen Stilelemente sollten harmonisiert werden. Die Front der neuen Giebelseite erhielt über dem Hauptportal eine große Rosette. Ihre farbigen Scheiben zeigen die Rosa mystica, die geheimnisvolle Rose, ein Sinnbild der Gottesmutter. In der Frontmauer entstand unter der Bühne eine Taufkapelle und eine Marienkapelle. Die eine zeigt in den farbigen Fenstern alttestamentliche Gestalten, die andere Szenen aus dem Marienleben.

Gleichzeitig mit dem Umbau bestellte man eine neue Orgel bei Stockmann in Werl. Das Unternehmen hatte auch die 1900 von der Hubertus-Bruderschaft für 185o Goldmark gestiftete Orgel der alten Kirche gebaut. Sie war, weil nach dem Kirchbau das Geld für die Anschaffung einer neuen Orgel fehlte, nach einer gründlichen Reparatur in die neue Kirche übernommen worden. Hauptlehrer Fabri, der die alte Orgel über 4o Jahre lang Tag für Tag gespielt hatte, war mit allen ihren Tücken vertraut, und deren wurden immer mehr. Außerdem konnte das für einen kleineren Kirchenraum ausgelegte Instrument die neue Kirche nicht mit ihrem Klang füllen.

Die neue Orgel, zum erstenmal erklang sie am 26. Mai 1963, ist eine Schleifladenorgel mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur. Das bedeutet, daß der Anschlag einer Taste mechanisch an das Ventil der Orgelpfeife weitergegeben wird, während die Register und die Spielhilfen elektrisch laufen. Der Typ der Schleifladenorgel ist alt. Er wurde bereits in der Barockzeit gebaut. Bei diesen Schleifladenorgeln hat jedes Manual ein geschlossenes Gehäuse, damit der Ton sich nicht im Gewölbe verfängt, sondern in den Kirchenraum hineinstrahlt. Der Klang wird so besonders klar und hell. Das Werk umfaßt zwei Manuale und Pedal mit 19 Registern und 115o Pfeifen. Der Prospekt wurde so ausgelegt, daß er sich harmonisch der Architektur des Kirchenraumes anpaßt und die Rosette der Giebelwand gleichsam trägt. Die Kosten beliefen sich auf 55.000 DM, die von der Kirchengemeinde und durch Stiftungen aufgebracht wurden.

Zur gleichen Zeit etwa begannen die liturgischen Reformen. So trennte man sich 1966 vom Hochaltar, dessen künstlerische Qualität nicht sehr anspruchsvoll war. Aus dem Marmorunterbau des Altars arbeitete der Steinmetz den neuen Zelebrationsaltar und den Tabernakelaltar. Im Jahre 1960 feierte Hans-Wilhelm Dierkes seine Heimatprimiz in der neugestalteten St.-Hubertus-Kirche. Die Eltern Friedrich Dierkes und Elisabeth Dierkes ge- borene Schlinkmann aus Wennigloh waren nach dem Kriege mit ihren Kindern nach Müschede gekommen. Hans-Wilhelm Dierkes ist heute Pfarrgeistlicher in Westenholz.

Quelle: Dr. Fridrich Fabri,
Müschede - eine Chronik,
Kolpingsfamilie Müschede, 1989

 
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