Ortsarchiv Müschede (OAM) _____ADH Müschede

Chronik
 


Die Kirche von 1932

Nach der Inflation lebten frühere Gedanken an einen Kirchenbau wieder auf. Als Pfarrvikar Kaup nach 24jährigem Wirken Müschede verließ, war schon wieder ein Betrag von 4o.ooo Mark beisammen. Kaup scheute sich nicht, nach dem Hochamt in die Gaststätten zu gehen, wo die Bauern bei Bier und Doppelkopfspiel zusammensaßen. Er nahm sein Birett vom Kopf und strich das auf dem Tisch liegende Spielgeld mit der Bemerkung hinein: "Stellt Euch vor, Ihr hättet verloren." Die zunächst verdutzten Bauern machten sich ihren Spaß daraus. Beim nächsten Mal lag soviel Geld auf dem Tisch, wie man zu geben bereit war..

Viele Müscheder plädierten für den Platz bei der Schule wegen des kürzeren Kirchweges für die Kinder. Die hartnäckigsten Vertreter der Schulnähe kamen aus der "Biche". Ihr Wortführer war Josef Dahme, Hohlweg. Die in der Diskussion unterstellten Motive waren zum Teil persönlich kränkend. Es lag eine enorme Spannung über der Gemeinde. Die Abstimmung am 28. September ergab 22o Stimmen für den Platz an der Schule, 197 für das Kreikeloh, drei für die Mittelstraße und 5 ungültige Stimmen. An der hohen Wahlbeteiligung - insgesamt 4o2 Stimmen - ersieht man, daß dieses Thema die Gemeinde heftig bewegt haben muß.

Verschiedene Architekten waren aufgefordert worden, ihre Baupläne vorzulegen. Architekt Verfuß aus Hüsten setzte sich durch. Er hatte von Vikar Rehbaum bereits 2100 Mark erhalten, angeblich ohne Wissen des Kirchenvorstandes. Dieser Betrag war ein Entgelt für bereits vorgelegte Entwürfe. Trotzdem wollte man ihn fallen lassen. Da verlangte Verfuß eine Abstandssumme von 6.ooo Mark. Der Kirchengemeinde blieb aufgrund der finanziellen Situation nichts anderes übrig, als Verfuß zu beauftragen.

Als schließlich auch in Paderborn der Plan genehmigt war, begann man auf dem Baugelände sofort mit dem Abtragen des Mutterbodens. Die arbeits- losen Willi Padberg, Adolf Vogt, Engelbert Wessel, Josef Vollmer, Gustav Pape und Julius Müller arbeiteten im Akkord unter der Leitung von Hubert Michel, der kurz vorher seine Meisterprüfung abgelegt hatte. Eine Woche später wurden die Winkel geschlagen und im Januar rollten die Steine heran, gefahren von Herdringer Bauern. Die Müscheder wollten zwei Mark mehr haben pro Fuhre. Nach der Winterpause ging es zügig weiter. Mitten in diese Aufbruchstimmung, der Kirchenbau hatte die Gemeinde wieder vereint, fielen zwei freudige Ereignisse. Am ersten Ostertag (27.3.1932) feierte Josef Schulte seine Heimatprimiz und am Ostermontag Eduard Stakemeier, der spätere Theologie-Professor an der Erzbischöflich Theologischen Akademie in Paderborn. Der Vater von Josef Schulte stammt aus der Familie Schulte-Allhoff. Seine Mutter ist eine geborene Dahme, Hohlweg. Die ersten Priesterjahre verbrachte Schulte in der Diaspora, war später Pfarrer in Westenfeld und leitete schließlich nach dem Kriege das Diözesan-Caritasheim in Schüren. Er starb im Alter von 45 Jahren.

In der Pfingstwoche konnte schon der Grundstein gelegt werden. In einem Bericht heißt es: "Die Grundsteinlegung fand am Pfingstmontag nach der Andacht statt. Von dem altem Kirchlein begaben sich, unter Vorantritt der Geistlichkeit, der Kirchenvorstand sowie die katholischen Vereine zum begonnenen Neubau. Die Webersche Musikkapelle aus Hüsten intonierte ein Kirchenlied. Wo später der Altar stehen sollte, war nach liturgischer Vorschrift ein Kreuz errichtet. Vor ihm hatten sich die Geistlichen aufgestellt: Ehrendomherr Geistlicher Rat Dr. Meckel, Hüsten, Dechant Müting, Neheim, Pfarrvikar Holthaus, Pfarrvikar Ruhrmann, Krankenhaus Hüsten, Pfarrvikar Schübeler, Wennigloh. Ferner nahmen teil Amtsbürgermeister Dr. Gunst, Gemeindevorsteher Wilhelm Cronenberg, der Kirchenvorstand sowie die Vereine Hubertus-Schützenbruderschaft, Kriegerverein, Gesangverein Harmonie, Jünglingssodalität, Turnverein, Mandolinenclub, Deutsche Jugendkraft und die Jungfrauenkongregation. Dechant Müting war vom Generalvikar in Paderborn beauftragt, den Grundstein zu legen und zu weihen."

Vier Wochen später feierte man das Richtfest. Im Oktober kamen die Glocken. Sie wurden am 9. Oktober geweiht. Die Hubertusglocke, 24 Zentner schwer, hat die Inschrift: "Der Friede des Herrn sei bei uns allezeit." Die Marienglocke, 18 Zentner, trägt den Segensspruch: "Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib." Auf der Josefsglocke, 12 Zentner, steht der Spruch: "Bet' und arbeit', Gott hilft allezeit."

Am 2o. November konnte die Kirche geweiht werden. In einer Prozession wurde die Monstranz aus der alten in die neue Kirche übertragen. Ein Levitenamt war der erste Gottesdienst in der neuen Kirche. Im Dezember wurde der Dachreiter von der alten Kirche entfernt. Er soll beim Läuten des kleinen Glöckchens, das etwa einen Zentner wiegen mochte, gewackelt haben. Die Glocke hatte seit l75o die Müscheder zum Angelusgebet aufgefordert und zu den Gottesdiensten gerufen, hatte die Toten beklagt und die Dorfbewohner bei Bränden alarmiert. Die Glocke schenkte man der Diasporagemeinde Burgömer-Hettstedt in der heutigen DDR. Die Müscheder Kolpingsfamilie ermittelte den Verbleib der alten Glocke und nahm Kontakt mit der Gemeinde auf. Eine Abordnung von Kolpingsöhnen war dabei, als ein neuer Glockenstuhl geweiht wurde. Sie schenkten der Gemeinde in der Nähe von Halle ein Kupferdach für den Glockenstuhl, kostenlos gefertigt von dem jungen Klempnermeister Martin Känzler und seinem Vater Theodor Känzler.

Bischof Kaspar Klein konsekrierte am 2o. Juli 1934 die neue Kirche. Weiße Stangen mit weißblauen und weißgelben Fähnchen, Ehrenbogen und Girlanden schmückten den Platz um die Kirche. In einem Schulfenster waren die Reliquien für den Hochaltar ausgestellt. Gleichzeitig wurden am Tag der Kirchweihe 13o Jungen und Mädchen aus Müschede und Wennigloh gefirmt. Wahrscheinlich war es die erste Firmung in Müschede.

Bildhauer Wilhelm Hausmann aus Menden meißelte im Oktober 1937 die Hubertusstatue aus Rüthener Sandstein. Sie wurde von der Hubertus- Schützenbruderschaft für eine Nische in Auftrag gegeben, die sich vor der Erweiterung der Kirche über dem Hauptportal befand. Am 23. Februar 1938 wurde die Statue an ihren Platz gestellt.

Das Innere der Kirche aber war immer noch roh. Erst nach dem Fronleichnamsfest l938 malte Dr. Dameris die Kirche aus. Er gestaltete später auch den Kreuzweg, der lange Jahre die Kirchenwände schmückte und vor dem in den Kriegsjahren die Mütter beteten und die Rückkehr des Ehemannes und der Söhne erflehten. Doch ideelle Werte geraten allzuschnell in Vergessenheit, und so wurde der Kreuzweg nach dem großen Kirchenumbau in den Keller gestellt. Ein bisher unbekannter Verfasser schreibt zu diesem Kreuzweg: "Die 14 Stationsbilder des Kreuzweges sind Bilder der Betrachtung und Andacht. Sie sollen nicht das äußere, sinnliche Auge befriedigen, sondern das innere Sehen anregen, den Blick der gläubigen Seele hinlenken auf das heilige Geschehen des Leidens und Todes Jesu. Die Bilder wollen mit gläubigem Herzen betrachtet sein. Wer sich nicht mit Ruhe und christlichem Ernst darin versenkt, wird sie nicht verstehen ...". Von Dr. Dameris, einem Freund des Geistlichen Josef Schulte, stammten auch die lustigen Malereien an der Westwand des Schützenhofes, die beim Bau der Halle leider zerstört wurden. Pfarrvikar Holthaus wurde am 4. August 1939 pensioniert. Als Wohnung wurde ihm die Vikarie in Ödingen zugewiesen, die er bis zu seinem Tode bewohnte.

Quelle: Dr. Fridrich Fabri,
Müschede - eine Chronik,
Kolpingsfamilie Müschede, 1989

 
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