Ortsgeschichte, St. Hubertus-Bruderschaft ADH Müschede

  Auflösung und Neugründung (2)
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Auflösung der Bruderschaft in Jahr 1826

Nachfolgend wird der wesentliche Inhalt einer umfangreichen Akte zur Auflösung und Neugründung der Hubertusbruderschaft zu Müschede in den Jahren 1826 bzw. 1850 wiedergegeben.

Die Aufhebung der Bruderschaft im Jahre 1826 war über die Köpfe der Hubertusbrüder hinweg ohne deren Einverständnis angeordnet worden. Ebenso rücksichtslos verfuhr man mit dem nicht unerheblichen Vermögen dieser Bruderschaft. Es bestand aus drei Ackerländern, den sog. “Bruderländern”, und den jährlichen Einkünften, bestehend aus 8 Hühnern und einer von Kötter Rohe zu zahlenden Rente von 3 Talern. Mit Zustimmung des Gemeindevorstandes und der Gemeindeglieder sowie der königlichen Regierung in Arnsberg wurden die Ackerländer der Schulstelle als bleibende Dotation übertragen. Die Einkünfte aus der Verpachtung dieser Länder wurden nun für die Vergütung des Lehrers verwendet. Zur Deckung der jährlichen Gottesdienst- und Bewirtungskosten des Hüstener Pfarrers standen sie jetzt nicht mehr zur Verfügung.

Mit diesen für die Kirche ungünstigen Folgen hatte Pfarrer Lohn - mitver- antwortlich für die Auflösung der Bruderschaft - nicht gerechnet. Da auch die politische Gemeinde nicht bereit war, diese Kosten zu übernehmen, entschied er kurzerhand, den Gottesdienst in Müschede, auch am Hubertusfest, sowie die Beichtgelegenheit der Kinder zu Weihnachten und in der Osterzeit, einzustellen, solange die Kosten von der Gemeinde nicht übernommen würden. Diese, für die Müscheder unakzeptable Entscheidung bewirkte ein Umdenken zugunsten der früheren Bruderschaft, die seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich die Kosten des Gottesdienstes und die Bewirtung des Pfarrers und seines Küsters übernommen hatte.

Die Auflösung war null und nichtig

Aufgrund einer Beschwerde der Müscheder gegen die überzogene Reaktion des Hüstener Pfarrers wendete sich das Paderborner Kapitular-Vikariat (Generalvikariat) mit einem Schreiben vom 19. Dezember 1844 an den Landrat von Lilien zu Arnsberg. Es wurde geltend gemacht, dass die Müscheder St. Hubertusbruderschaft eine zu religiösen Zwecken gegründete Gesellschaft war. Ihr Hauptzweck diente der religiösen Erbauung durch gemeinschaftlichen, öffentlichen Gottesdienst an bestimmten Tagen und die Förderung der brüderlichen Liebe. Zu diesem Zweck wurde der Gottesdienst abgehalten und zu diesem Zweck war von der Bruderschaft die Kapelle zu Müschede erbaut und unterhalten worden. Das Traktement, welches jährlich für sämtliche Mitglieder der Bruderschaft veranstaltet und aus dem Bruderschaftsvermögen bezahlt wurde, sollte nur den Zweck haben, die brüderliche Liebe unter den Mitgliedern zu wecken und zu erhalten.

Die Hubertusbruderschaft war somit ein kirchliches Institut und hätte ohne Zustimmung des Generalvikariats nicht aufgehoben und ihr Vermögen nicht zu anderen Zwecken verwendet werden dürfen. Die Aufhebung der Bruderschaft im Jahre 1826 war aber ohne deren Zustimmung geschehen und eben deshalb "null und nichtig". Die noch lebenden Mitglieder der aufgehobenen Bruderschaft bestanden darauf, dass der Gottesdienst zu Müschede nach wie vor abgehalten werden sollte und behaupteten, die Aufhebung im Jahre 1826 sei einseitig durch den damaligen Gemeindevorstand veranlasst worden, ohne dass man sie um ihre Zustimmung gefragt habe. Demzufolge war die Aufhebung auch aus diesem Grunde "null und nichtig". Abschließend wurde der Landrat aufgefordert, die Kosten für die Abhaltung des jährlichen Gottesdienstes in Müschede aus dem Schulfonds oder aus der Gemeindekasse künftig zu zahlen und die für die Jahre von 1826 bis 1837 ausgebliebenen Zahlungen nachzuentrichten.

Das Schreiben enthält einen Zusatz, in dem Pfarrer Lohn die von seiner Auffassung abweichende Haltung des Generalvikariats noch einmal zusammenfassend mitgeteilt wurde. Abschließend heißt es: “Wie Sie dies so ganz haben übersehen können, kann nur sehr auffallend sein, und gereicht Ihnen wahrlich nicht zum Lobe, sondern nur zum Vorwurf.” Pfarrer Lohn starb einige Monate später, sein Nachfolger wurde Pfarrer Schlüter.

 
Quelle:
Hubert Michel,
Auflösung und Neugründung der Müscheder
St. Hubertusbruderschaft im Jahre 1826 bzw. 1850
Müscheder Blätter 2000, 20. Folge
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